KERAMIKVERSIEGELUNGEN – ECHTER SCHUTZ ODER NUR MARKETING?
9H. 10H. Diamond. Graphene. Nano. Crystal. Kratzfest. Extreme Chemical Resistance. 10 Jahre Schutz.
Auf dem Markt für Keramikversiegelungen wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten. Die Zahlen werden größer, die Bezeichnungen spektakulärer und die Versprechen immer beeindruckender.
Doch was davon bedeutet in der Praxis wirklich etwas?
Eines möchten wir gleich zu Beginn klarstellen:
Eine Keramikversiegelung ist kein Betrug.
Eine hochwertige, professionell verarbeitete Beschichtung kann einen hervorragenden Oberflächenschutz, hohe chemische Beständigkeit, eine deutlich leichtere Reinigung, starke hydrophobe Eigenschaften und eine beeindruckende Optik bieten.
Problematisch wird es dort, wo Marketing beim Kunden Erwartungen erzeugt, die das Produkt in der Realität nicht erfüllen kann.
In diesem Artikel möchten wir deshalb nicht erklären, welche Keramik „die beste“ ist.
Wir möchten zeigen, worauf man achten sollte, bevor man mehrere hundert oder sogar mehrere tausend Euro für eine Keramikversiegelung bezahlt.
1. 9H UND 10H – WIRD DAS AUTO DAMIT WIRKLICH KRATZFEST?
Eine der bekanntesten Angaben in der Welt der Keramikversiegelungen lautet:
9H HARDNESS.
Für einen Kunden klingt das schnell nach:
„Sehr hart – also kann mein Lack kaum noch zerkratzt werden.“
Genau hier entsteht eines der größten Missverständnisse.
Die Angabe 9H bezieht sich bei solchen Beschichtungen typischerweise auf die sogenannte Pencil Hardness, also einen Bleistifthärtetest.
Das ist nicht dasselbe wie die Mohs-Härteskala für Mineralien.
Besonders missverständlich kann die Darstellung werden, wenn neben 9H oder 10H gleichzeitig Begriffe wie
DIAMOND
sowie ein Diamantsymbol und Aussagen wie
Ultra Hard – Scratch Resistant – Diamond Protection
verwendet werden.
Diamant besitzt auf der Mohs-Skala die Härte 10.
Die 9H-Angabe einer Beschichtung kann dagegen aus einem völlig anderen Prüfverfahren stammen.
Diese Werte können nicht einfach miteinander verglichen werden.
9H bedeutet also nicht, dass auf dem Fahrzeug eine nahezu diamantharte Schutzschicht entsteht.
Und es bedeutet schon gar nicht, dass der Lack anschließend kratzfest ist.
2. WENN KERAMIK NICHT KRATZFEST MACHT – WIE KANN SIE TROTZDEM GEGEN KRATZER HELFEN?
Hier liegt ein wichtiger Unterschied.
Nicht das Auto wird durch eine Keramikversiegelung kratzfest.
Der tatsächliche Vorteil liegt an einer anderen Stelle.
Eine hochwertige Beschichtung kann die Anhaftung von Verschmutzungen reduzieren, eine stark hydrophobe Oberfläche erzeugen und die Fahrzeugwäsche deutlich erleichtern.
Und genau dadurch kann sie indirekt dazu beitragen, Waschkratzer zu reduzieren.
Ein großer Teil der feinen Swirls und Waschkratzer entsteht während der Fahrzeugwäsche.
Je stärker Schmutz auf der Oberfläche haftet, desto mehr mechanische Arbeit ist notwendig, um ihn zu entfernen.
Waschhandschuh.
Trockentuch.
Wischen.
Mechanischer Kontakt.
Jeder Kontakt mit einer verschmutzten Oberfläche bietet grundsätzlich die Möglichkeit, feine Kratzer zu erzeugen.
Bei einer gut funktionierenden Keramikversiegelung kann bereits durch eine gründliche Vorwäsche ein großer Teil der Verschmutzung entfernt werden, bevor der Lack überhaupt berührt wird.
Dadurch ist anschließend weniger mechanische Reinigung notwendig.
Weniger anhaftender Schmutz → leichtere Reinigung → weniger mechanischer Kontakt → geringeres Risiko für Waschkratzer.
Das ist einer der tatsächlichen Vorteile einer Keramikversiegelung.
Der Lack bleibt also nicht deshalb länger schön, weil ein unsichtbarer „9H-Panzer“ jeden Kratzer verhindert.
Sondern weil das Fahrzeug bei richtiger Pflege leichter und schonender sauber gehalten werden kann.
Dadurch können weniger neue Swirls entstehen und der durch die Lackkorrektur erreichte Glanz kann länger erhalten bleiben.
Wer ein keramikversiegeltes Fahrzeug dagegen regelmäßig durch eine Bürstenwaschanlage fährt oder mit verschmutzten Waschutensilien behandelt, kann den Lack trotzdem zerkratzen.
Keramik macht ein Auto nicht kratzfest. Sie kann aber dabei helfen, die Ursachen für Waschkratzer zu reduzieren.
3. DIAMOND, GRAPHENE, QUARTZ, NANO, TITANIUM – WAS STECKT WIRKLICH DAHINTER?
Der Markt liebt spektakuläre Materialbezeichnungen:
Diamond. Graphene. Quartz. Glass. Crystal. Nano. Titanium. SiC.
Viele dieser Begriffe beziehen sich tatsächlich auf reale Materialien oder Technologien.
Problematisch wird es, wenn die besonderen Eigenschaften eines Rohstoffes so dargestellt werden, als würden sie automatisch auf die fertige Fahrzeugbeschichtung übertragen.
GRAPHENE
Graphen ist tatsächlich ein außergewöhnliches Material mit interessanten mechanischen, elektrischen und thermischen Eigenschaften.
Aber nur weil eine Beschichtung einen graphene-basierten Zusatz enthält, übernimmt die fertige Beschichtung nicht automatisch sämtliche Eigenschaften von reinem Graphen.
Viele sogenannte Graphene Coatings basieren weiterhin auf siliziumorganischen, siloxan- oder SiO₂-verwandten Beschichtungssystemen, denen ein graphene-basierter Bestandteil zugesetzt wird.
Deshalb wären viel interessantere Fragen:
Welche Form von Graphen bzw. graphene-basiertem Material ist enthalten?
In welcher Konzentration?
In welcher Form?
Und welchen messbaren Vorteil bringt dieser Zusatz in der fertigen Beschichtung?
Wenn darauf keine konkrete Antwort gegeben werden kann, beweist ein riesiger GRAPHENE-Schriftzug auf der Verpackung noch keine überlegene Produktqualität.
DIAMOND
Das Gleiche gilt für Bezeichnungen wie Diamond.
Selbst wenn ein Produkt einen diamantbasierten oder Nanodiamond-Zusatz enthält, bedeutet das nicht automatisch, dass die ausgehärtete Beschichtung „diamanthart“ ist.
Besonders kritisch sollte man Kombinationen wie
DIAMOND + 9H/10H + Diamantsymbol
betrachten.
Diese Darstellung kann den Eindruck erwecken, dass die Angaben miteinander zusammenhängen.
Das müssen sie nicht.
QUARTZ, GLASS, NANO, TITANIUM
Auch hier gilt:
Eine spektakuläre Materialbezeichnung sagt allein noch nichts darüber aus,
wie langlebig,
wie hydrophob,
wie chemikalienbeständig
oder insgesamt wie leistungsfähig die fertige Beschichtung tatsächlich ist.
Ein Produktname ist keine technische Spezifikation.
4. „10 JAHRE KERAMIK“ – WAS BEDEUTEN DIE 10 JAHRE EIGENTLICH?
3 Jahre.
5 Jahre.
7 Jahre.
10 Jahre.
Lifetime.
Die Zahlen werden immer größer.
Ein Kunde versteht darunter verständlicherweise:
„Wenn ich eine 10-Jahres-Keramik kaufe, bleibt mein Fahrzeug zehn Jahre lang so geschützt.“
Doch was bedeutet „10 Jahre“ konkret?
Ist die Wasserabweisung nach zehn Jahren noch identisch?
Besteht noch dieselbe chemische Beständigkeit?
Lässt sich das Fahrzeug noch genauso leicht reinigen?
Oder ist nach zehn Jahren lediglich noch ein Teil der Beschichtung auf der Oberfläche nachweisbar?
Das sind völlig unterschiedliche Aussagen.
Besonders interessant wird es, wenn eine Marke oder sogar das konkrete Produkt erst seit wenigen Jahren auf dem Markt ist, aber bereits mit zehn Jahren Haltbarkeit beworben wird.
Das bedeutet nicht automatisch, dass die Aussage falsch ist.
Es gibt Laborprüfungen und beschleunigte Alterungstests.
Aber die Frage ist trotzdem berechtigt:
Woher stammt die Angabe von zehn Jahren?
Aus einem Labortest?
Aus einer beschleunigten Alterungsprüfung?
Aus einer theoretischen Hochrechnung?
Aus der Garantiezeit?
Oder aus dokumentierter zehnjähriger Nutzung unter realen Bedingungen?
Denn eines lässt sich nicht abkürzen:
Für zehn Jahre reale Langzeiterfahrung braucht man zehn Jahre.
5. 10 JAHRE HALTBARKEIT ≠ 10 JAHRE IDENTISCHE WASSERABWEISUNG
Dieser Unterschied ist besonders wichtig.
Der Kunde sieht bei der Fahrzeugübergabe eine frisch versiegelte Oberfläche mit spektakulärem Beading und Sheeting.
Dann hört er:
„Diese Beschichtung hält zehn Jahre.“
Es ist nachvollziehbar, wenn daraus die Erwartung entsteht, dass das Wasser auch nach zehn Jahren noch exakt so abperlt wie am ersten Tag.
Das muss jedoch nicht der Fall sein.
Das Vorhandensein einer Beschichtung und ihre aktuelle hydrophobe Performance sind nicht dasselbe.
Die Wasserabweisung kann sogar bereits nach wenigen Wochen schwächer erscheinen, ohne dass die Keramikversiegelung verschwunden oder defekt ist.
6. „DIE KERAMIK IST ERST EIN PAAR WOCHEN ALT UND DAS WASSER PERLT SCHON SCHLECHTER AB!“
Das kann passieren.
Auf der Beschichtung können sich bereits nach relativ kurzer Zeit Ablagerungen bilden:
Kalk,
mineralische Rückstände,
Straßenfilm,
Winterschmutz
oder andere Kontaminationen.
Das Wasser trifft dann nicht mehr direkt auf die Oberfläche der Keramikversiegelung, sondern auf die Ablagerungen darüber.
Für den Kunden sieht es so aus:
„Die Keramik ist weg.“
Dabei kann die Beschichtung selbst völlig intakt sein.
Bei mineralischen Ablagerungen kann beispielsweise eine geeignete, coating-kompatible saure Reinigung bzw. ein saures Shampoo helfen.
Nach einer korrekten Reinigung kann die hydrophobe Performance wieder deutlich stärker werden.
Nicht weil eine neue Keramik aufgetragen wurde.
Sondern weil die vorhandene Beschichtung wieder freigelegt wurde.
Deshalb lautet die richtige Reihenfolge:
Reinigung → falls notwendig Dekontamination → Kontrolle → erst danach Beurteilung der Beschichtung.
7. WOGEGEN SCHÜTZT EINE KERAMIKVERSIEGELUNG WIRKLICH?
Der Begriff „Schutz“ kann schnell falsche Erwartungen erzeugen.
Gegen Kratzer?
Sie macht das Fahrzeug nicht kratzfest.
Durch die leichtere Reinigung kann sie jedoch bei richtiger Fahrzeugpflege indirekt dazu beitragen, Waschkratzer zu reduzieren.
Gegen Steinschläge?
Dafür ist eine Keramikversiegelung nicht entwickelt worden.
Wer einen echten mechanischen Schutz gegen Steinschläge sucht, sollte über eine Lackschutzfolie – PPF – nachdenken.
Gegen Insektenreste?
Eine Beschichtung kann die Anhaftung reduzieren und die Entfernung deutlich erleichtern.
Das bedeutet aber nicht, dass Insektenreste im Hochsommer wochenlang auf dem Lack bleiben dürfen.
Gegen Vogelkot?
Dasselbe gilt hier.
Beständigkeit bedeutet nicht Immunität.
Auch von einem keramikversiegelten Fahrzeug sollte Vogelkot möglichst schnell entfernt werden.
Gegen jede Chemikalie?
Nein.
„Chemical Resistant“ bedeutet nicht, dass jede Chemikalie in jeder Konzentration unbegrenzt auf der Oberfläche verbleiben kann.
Entscheidend sind unter anderem:
Art der Chemikalie, Konzentration, pH-Wert, Oberflächentemperatur und Einwirkzeit.
Gegen Wasserflecken?
Auch auf einer Keramikversiegelung können Wasserflecken und mineralische Ablagerungen entstehen.
Eine hydrophobe Oberfläche sorgt dafür, dass Wasser Tropfen bildet. Trocknen diese Tropfen auf der Oberfläche, können Mineralien zurückbleiben.
Eine Keramikversiegelung kann die Widerstandsfähigkeit der Oberfläche erhöhen – sie macht sie aber nicht gegen sämtliche Umwelteinflüsse immun.
8. ES GIBT NICHT DIE EINE KERAMIK, DIE IN ALLEM DIE BESTE IST
Es gibt kein Produkt, das gleichzeitig
den stärksten Glanz,
die höchste Hydrophobie,
die längste Haltbarkeit
und die höchste chemische Beständigkeit
bietet.
Unterschiedliche Formulierungen werden auf unterschiedliche Eigenschaften optimiert.
Manche Coatings legen besonderen Wert auf:
Glanz, Farbtiefe, Slickness und stark hydrophobes Verhalten.
Solche Produkte können alleine eingesetzt werden oder innerhalb eines kompatiblen Systems als Topcoat dienen.
Bei anderen Produkten liegt der Schwerpunkt stärker auf:
Langzeitbeständigkeit und hoher chemischer Resistenz.
Diese können als eigenständige Beschichtung oder als erste Schicht eines mehrstufigen Systems sinnvoll sein.
Deshalb lautet die richtige Frage nicht:
„Welche Keramik ist die beste?“
Sondern:
„Welche Eigenschaften sind für mein Fahrzeug und meine Nutzung am wichtigsten?“
9. MEHRERE SCHICHTEN – ES GEHT NICHT EINFACH UM DICKE
„Mehr Schichten“ klingt im Marketing beeindruckend.
Aber:
2 Schichten ≠ doppelter Schutz.
3 Schichten ≠ dreifache Kratzfestigkeit.
Der Sinn eines professionell aufgebauten Mehrschichtsystems liegt vielmehr darin, unterschiedliche Eigenschaften verschiedener, miteinander kompatibler Coatings zu kombinieren.
Zum Beispiel:
Basisschicht → Langzeitbeständigkeit + hohe chemische Resistenz
Topcoat → Hydrophobie + Glanz + Slickness
Die konkrete Kombination muss selbstverständlich zum jeweiligen Herstellersystem passen.
Der entscheidende Punkt:
Wir bauen nicht einfach möglichst viel Schichtdicke auf – wir kombinieren gezielt Eigenschaften.
Jede Schicht sollte einen Sinn und eine Aufgabe haben.
10. DER WICHTIGSTE TEIL IST OFT NICHT DIE KERAMIK SELBST – SONDERN DIE VORBEREITUNG
Hier wird der Vergleich zweier Angebote besonders schwierig.
Der Kunde sieht:
Betrieb A: 400 €
Betrieb B: 1.200 €
„Beide machen Keramik. Warum kostet das eine dreimal so viel?“
Weil man bei einer hochwertigen Keramikversiegelung nicht einfach nur die Flüssigkeit in der kleinen Flasche bezahlt.
Bei einem professionellen System – beispielsweise bei den von uns eingesetzten Modesta-Systemen – spielt die Vorbereitung eine entscheidende Rolle.
11. NACH DEM POLIEREN IST DIE OBERFLÄCHE NOCH NICHT AUTOMATISCH FERTIG
Nach einer Lackkorrektur können bestimmte frühere Kalkschäden, Insektenätzungen oder andere Defekte zunächst so aussehen, als wären sie vollständig entfernt worden.
Deshalb muss die Oberfläche kontrolliert werden.
Wir kontrollieren kritische Bereiche bei Bedarf auch unter gezielter Wärmeeinwirkung mit Infrarot, bevor die Keramik aufgetragen wird.
Warum?
Weil wir lieber jetzt feststellen, dass noch eine weitere Korrektur notwendig ist, als später, wenn das fertige Fahrzeug in der Sonne steht und ein vermeintlich beseitigter Defekt wieder sichtbar wird.
Denn dann bedeutet es:
Coating entfernen → erneut korrigieren → Oberfläche erneut vorbereiten → Coating neu aufbauen.
An dieser Stelle beginnt die Arbeit praktisch von vorne.
12. OBERFLÄCHENVORBEREITUNG – NICHT EINFACH EINMAL SCHNELL MIT IPA ABWISCHEN
Nach dem Polieren müssen Polieröle und andere Rückstände gründlich entfernt werden.
Dafür verwenden wir eine spezielle IPA-basierte Vorbereitungslösung.
Bei einer gründlichen Vorbereitung eines kompletten Fahrzeugs können dabei durchaus 500–600 ml Flüssigkeit verbraucht werden.
Das Ziel ist eine kontrolliert saubere und rückstandsfreie Oberfläche, die optimale Voraussetzungen für die nächsten Arbeitsschritte bietet.
Und selbst jetzt kommt nicht zwingend sofort die eigentliche Keramik.
13. PRIMER – EIN WEITERER KOMPLETTER ARBEITSSCHRITT
Bei einem professionellen Modesta-System kann anschließend ein spezieller harzbasierter Primer eingesetzt werden.
Das ist kein Produkt, das einfach kurz aufgesprüht und abgewischt wird.
Die Verarbeitung stellt einen weiteren maschinellen Arbeitsschritt dar – praktisch einen zusätzlichen Polierdurchgang.
Bis die eigentliche Keramik überhaupt geöffnet wird, können bereits viele Arbeitsstunden im Fahrzeug stecken.
Der Preis einer hochwertigen Keramikversiegelung lässt sich deshalb nicht anhand des Preises einer kleinen Flasche Coating beurteilen.
14. PROFESSIONELLES COATING BEDEUTET NICHT IMMER „AUFTRAGEN, ABWISCHEN, FERTIG“
Bei einem Consumer Coating, das jeder kaufen und selbst anwenden kann, ist eine möglichst einfache Verarbeitung verständlicherweise wichtig.
Professionelle Beschichtungen können anders aufgebaut sein.
Bestimmte Profi-Coatings besitzen einen höheren Feststoffanteil und eine deutlich dichtere, teilweise fast honigartige Konsistenz.
Bei der Verarbeitung spielen deshalb Faktoren wie
Temperatur,
Luftfeuchtigkeit,
Auftragsmenge,
Größe des bearbeiteten Bereichs,
Ablüftzeit,
Zeitpunkt des Auspolierens
und die richtige Wischtechnik
eine entscheidende Rolle.
Zu früh abgenommen?
Kann problematisch sein.
Zu spät?
Ebenfalls.
Bei einer professionellen Keramik zählt deshalb nicht nur, was in der Flasche ist.
Es zählt auch, wer es verarbeitet und wie es verarbeitet wird.
15. NACH DEM AUFTRAGEN IST DAS FAHRZEUG NOCH NICHT FERTIG
Dieser Teil wird bei Keramikversiegelungen häufig unterschätzt.
Eine frisch aufgetragene Beschichtung benötigt Zeit für ihre Vernetzung und Aushärtung.
Die ersten 24 Stunden sind besonders wichtig.
Bei einer hochwertigen Verarbeitung kann das Fahrzeug – entsprechend den Vorgaben des jeweiligen Coating-Systems – diese kritische Phase in einer kontrollierten, trockenen Werkstattumgebung verbringen.
Bei professionellen Systemen kann die Aushärtung zusätzlich durch eine kontrollierte IR-Behandlung unterstützt werden.
Deshalb endet unsere Arbeit nicht mit:
„Abgewischt – fertig – Schlüssel bitte.“
Auch die kontrollierte Aushärtung ist Teil der Dienstleistung.
16. IN DER ERSTEN WOCHE WIRD DAS FAHRZEUG NICHT GEWASCHEN
Nach den ersten 24 Stunden härtet die Beschichtung weiter aus.
Bei dem von uns angewendeten System gilt:
IN DEN ERSTEN 7 TAGEN KEINE FAHRZEUGWÄSCHE.
Weder per Hand noch in der SB-Waschanlage und keine unnötige Belastung durch starke Reinigungschemie.
Gelangen aggressive Verschmutzungen wie beispielsweise Vogelkot auf die Oberfläche, sollten diese natürlich nicht eine Woche lang liegen bleiben, sondern fachgerecht und möglichst schonend entfernt werden.
Bei den konkreten Vernetzungs- und Aushärtungszeiten gelten immer die Vorgaben des jeweiligen Herstellers.
17. UND DANACH MUSS MAN JAHRELANG NICHTS MEHR MACHEN?
Nein.
Auch ein professionelles Coating ist kein wartungsfreies System.
Mit der Zeit können sich auf der Oberfläche ansammeln:
Kalk,
mineralische Ablagerungen,
Straßenfilm,
Teer,
metallische Kontaminationen,
Streusalz
und andere Verschmutzungen.
Deshalb können in gewissen Abständen
eine gründliche Tiefenreinigung, chemische Dekontamination, eine geeignete saure Reinigung, Kontrolle oder eine zum System passende Maintenance-Behandlung
sinnvoll sein.
Das bedeutet nicht, dass die Keramik schlecht ist.
Es ist Teil einer korrekten Pflege.
„10 Jahre Haltbarkeit“ bedeutet nicht automatisch „10 Jahre ohne Wartung“.
18. WAS SOLLTE MAN ALSO STATT „9H ODER 10H?“ FRAGEN?
Vor der Entscheidung für eine Keramikversiegelung sollte man nicht nur fragen:
Wie viel H?
Wie viele Jahre?
Wie viele Schichten?
Graphene oder Diamond?
Viel aussagekräftiger sind Fragen wie:
Wie lange ist dieses konkrete Produkt bereits auf dem Markt?
Auf welcher Prüfung basiert die angegebene Haltbarkeit?
Was deckt die Garantie tatsächlich ab?
Welche Lackvorbereitung ist im Preis enthalten?
Welche Lackkorrektur wird durchgeführt?
Wird ein Primer eingesetzt?
Wie wird die Oberfläche vor dem Coating kontrolliert?
Welches Coating wird verwendet – und warum gerade dieses?
Wenn mehrere Schichten verwendet werden: Welche Aufgabe hat jede Schicht?
Was passiert mit dem Fahrzeug nach dem Auftrag?
Wird IR-Aushärtung eingesetzt?
Wann darf das Fahrzeug erstmals nass werden?
Wann darf es erstmals gewaschen werden?
Welche Wartung benötigt die Beschichtung?
Was passiert, wenn die Wasserabweisung nach einigen Monaten schwächer wird?
Die Antworten auf diese Fragen sagen deutlich mehr über die Qualität einer Keramikversiegelung aus als die spektakulärsten Begriffe auf der Verpackung.
DIE KERAMIK IST NICHT DAS PROBLEM. ÜBERTRIEBENE VERSPRECHEN KÖNNEN ES SEIN.
Wir arbeiten gerne mit Keramikversiegelungen.
Gerade deshalb finden wir es wichtig, ihnen keine Eigenschaften zuzuschreiben, die sie nicht besitzen.
Eine gute Keramik macht ein Fahrzeug nicht unverwundbar.
Sie macht den Lack nicht kratzfest.
Sie verhindert keine Steinschläge.
Sie bedeutet nicht, dass Vogelkot oder Insektenreste unbegrenzt auf der Oberfläche bleiben dürfen.
Sie widersteht nicht jeder Chemikalie unter allen Bedingungen.
Und ein „10-Jahres-Coating“ bedeutet nicht automatisch, dass das Wasser nach zehn Jahren noch genauso abperlt wie am ersten Tag.
Was wir von einer hochwertigen professionellen Keramik realistisch erwarten können:
hohe chemische Beständigkeit,
deutlich leichtere Reinigung,
starke hydrophobe Eigenschaften,
reduzierte Schmutzanhaftung,
eine hervorragende Optik und Farbtiefe,
weniger notwendige mechanische Belastung bei der richtigen Fahrzeugwäsche,
dadurch ein geringeres Risiko für Waschkratzer
und die Möglichkeit, den durch die Lackkorrektur erreichten Zustand deutlich länger zu erhalten.
Der Wert einer professionellen Keramikversiegelung wird deshalb nicht nur durch den Markennamen auf der Flasche bestimmt.
Vorbereitung, Erfahrung des Aufbereiters, Auswahl des richtigen Produkts, präzise Verarbeitung, kontrollierte Aushärtung und richtige Nachpflege bilden gemeinsam die Dienstleistung.
UNSER WICHTIGSTER TIPP
Suchen Sie nicht nach der Keramik, auf deren Verpackung die meisten Jahre, der höchste H-Wert oder der spektakulärste Technologiebegriff steht.
Suchen Sie nach einem System und einem Fachbetrieb, der Ihnen genau erklären kann, was die Beschichtung kann – und genauso offen erklärt, was sie nicht kann.
Denn eine gute Keramik muss nicht als Diamantpanzer verkauft werden.
Sie muss einfach das leisten, wofür sie entwickelt wurde.
Car Junkies Detailing & PPF
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